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Hochzeit im Himmel

Hochzeit im Himmel

Es war 1998, als der damalige Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, Jürgen Schrempp, von einer „Hochzeit im Himmel“ sprach und damit die Ehe mit Chrysler meinte. Dabei träfen diese Worte viel eher auf eine andere Verbindung zu, die inzwischen seit 100 Jahren hält, während die deutsch-amerikanische Gütergemeinschaft schon nach wenigen Jahren wieder zerbrach. Im Jahr 1926 fusionierten die Stuttgarter Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) und die Mannheimer Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG, was gleichbedeutend war mit der Geburtsstunde der Marke Mercedes-Benz.

 

Diese Liaison wurde allerdings unter weit weniger romantischen Vorzeichen geschlossen als die DaimlerChrysler-Ehe sieben Jahrzehnte später: Inflation, verlorene Exportmärkte nach dem Ersten Weltkrieg und die wachsende Konkurrenz ausländischer Marken hatten beide Unternehmen unter Druck gesetzt. Warum nicht eine Allianz schmieden? Den entscheidenden Anstoß hatte schon im Winter 1923/24 der Mannheimer Bankier Carl Jahr gegeben. Eine treibende Kraft war außerdem Emil Georg von Stauss von der Deutschen Bank, die bei beiden Unternehmen engagiert war. 

 

Am 1. Mai 1924 vereinbarten die Firmen zunächst vertraglich eine Interessengemeinschaft. Beide blieben selbstständig, koordinierten aber Einkauf, Entwicklung, Produktion und Vertrieb. Wilhelm Kissel, zuvor bei Benz, organisierte die Zusammenarbeit und wurde zu einer Schlüsselfigur der späteren Daimler-Benz AG. Die eigentliche Fusion beschlossen die Aktionäre am 28. und 29. Juni 1926 auf zwei Generalversammlungen in Mannheim und Stuttgart. Der Zusammenschluss zur neuen Aktiengesellschaft galt rückwirkend zum 1. Januar. Was jetzt noch fehlte, waren gemeinsame neue Modelle. Die erschienen noch im selben Jahr: Am 29. Oktober 1926 öffnete die Berliner Automobil-Ausstellung ihre Pforten, und Mercedes-Benz präsentierte dort erstmals sein gemeinsames Personenwagenprogramm. 

 

Zu den Neuheiten gehörten der 8/38 PS (W 02) und der 12/55 PS (W 03). Beide trugen bereits jene interne Nomenklatur mit einem W vor der Baureihennummer, die Mercedes-Benz bis heute verwendet – wobei das W ganz einfach für „Wagen“ steht. Text Gregor Schulz Fotos Mercedes-Benz

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