Automobilgeschichte beginnt vor der eigenen Haustür, und die öffnet für Leon Gaas nach Regensburg. Zwar wohnt er dort erst seit fünf Jahren, hat es aber geschafft, die Automobilgeschichte seiner Wahlheimat umfassend zu erforschen. Wenn es um die Verkehrsführung in und um die Stadt geht, ist das freilich am ehesten für Ortskundige interessant. Zapfhahn-Nostalgiker kommen hier allerdings auch auf ihre Kosten, denn an historischen Fotos von Regensburger Tankstellen und Autohäusern mangelt es nicht. Der Aufbau des Buches bedingt allerdings, dass der ein oder andere Betrieb an unterschiedlichen Stellen im Buch gezeigt wird: Eigene Kapitel sind noch bestehenden beziehungsweise nicht mehr existenten Betrieben und ihrer Geschichte gewidmet. All das verleiht dem Buch zwar einen architektonischen Schwerpunkt, als Fachbuch geht es aber nicht durch. Der Text hätte einen Feinschliff vertragen können, doch liegt der Reiz dieses Buches vor allem darin, dass es auch über andere Städte hätte geschrieben werden können – und so die Bedeutung des Automobils als Kulturgut unterstreicht. Eine besondere Lücke füllt das Institut für Kulturforschung Graubünden mit der ersten umfassenden Mobilitätsgeschichte des ostschweizer Kantons. Autos waren dort bis 1925 verboten, und auch danach verbreitete sich der motorisierte Verkehr in der touristisch geprägten Region auf sehr individuelle Weise: Als „Kanton der 150 Täler“ gilt es zum Beispiel auch als „Land der Umfahrungen“. Da mag es überraschen, dass Graubünden heute schweizweit die größte Autodichte hat: „Der späte Bündner Einstieg in den Autoverkehr erweist sich als geringe Verzögerung auf dem Weg zur europäischen Normalität des Strassenverkehrs“, lautet ein Fazit des Historikers Kurt Möser. Straßenbau und -führung sind zentrale Themen in diesem wissenschaftlichen, unterhaltsamen Buch, das sich aber auch intensiv mit dem Verhältnis der Bündner zum Automobil selbst auseinandersetzt.