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Ein Designer zwischen den Welten

Peter Schreyer

Ein Designer zwischen den Welten

Vor 20 Jahren beging Volkswagen einen seiner größten Fehler. Selbst Ferdinand Piëch, der sonst nicht gerade für seine Reumütigkeit bekannt war, sagte einst: „Wir hätten Peter Schreyer nicht gehen lassen sollen.“ Das zeigt, wie hoch der Mann geschätzt wurde, der in der Millennium-Ära das Autodesign mit Modellen wie dem VW New Beetle, dem ersten Audi TT und dem A2 neu definierte. Als Walter de Silva statt ihm zum Leiter Konzern-Design bei Volkswagen aufstieg, nahm der damals 53-jährige Schreyer (73) ein Angebot aus Südkorea an, trug maßgeblich zum Aufstieg von Hyundai und Kia bei und wurde zum ersten Deutschen mit einem Präsidentenposten in Fernost. Ob der Aufstieg des Mannes aus Oberbayern absehbar war? Vermutlich: Als Peter Schreyer zum ersten Mal Stifte und Zeichenblock in den Händen hielt, malte er kein Alpenpanorama und kein Fleckvieh, sondern einen Kranwagen. Nach einem Studium des Transportation Design am Royal College of Art in London begann er 1980 im Designstudio von Audi, damals noch keine dynamische Aufsteigermarke. Später wechselte er zu VW, wo er Leiter des Exterieurdesigns wurde. Die Verbundenheit zu Audi blieb bestehen, weshalb er 1994 nach Ingolstadt zurückkehrte und den rasanten Aufstieg der Marke entscheidend mitprägte. Die designhistorische Bedeutung von Audi TT und A2 haben wir erst mit dem Abstand der Zeit verstanden. Die großen Auto-Helden der iMac-Generation haben die Konventionen des Autodesigns nachhaltig verändert. Und auch beim VW Golf IV, der heute als zeitlose Stilikone gilt, hatte der Mann, der „die Einfachheit der geraden Linie“ als seine Philosophie beschreibt, seine Finger maßgeblich mit im Spiel. Einige von Schreyers kühnsten Entwürfen gingen nie in Serie, etwa der spektakuläre Audi Rosemeyer (links), benannt nach dem deutschen Rennfahrer-Idol der Silberpfeil-Ära und stilistisch an die Auto-Union-Rennwagen der dreißiger Jahre angelehnt. Die Verwandtschaft zum ersten TT ist erkennbar, und auch ein wenig Bugatti Veyron nahm der Rosemeyer vorweg. Für die Serie vorgesehen war das rasante Stück Retro-Futurismus, das Audi im Jahr 2000 in der neuen Autostadt präsentierte, allerdings nie. Text Lukas Hambrecht Fotos Audi AG; Kia Motors Corporation; Volkswagen AG; Archiv

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