Ab 1977 würde das Rennen, das seit 1951 zur Weltmeisterschaft zählte, nicht mehr in den Bergen der Eifel, sondern auf dem Hockenheimring in der Rheinebene stattfinden. Noch vor dem Start hatten die Fahrer diskutiert, ob dieser zehnte WM-Lauf der Saison nicht doch auf den letzten Drücker abgesagt werden solle. Einer der entschiedensten Verfechter einer Absage war der amtierende Formel-1-Weltmeister Niki Lauda. Dass der Österreicher am nationalen Heiligtum Nürburgring sägte, brachte viele Motorsportfans gegen ihn auf. Nicht wenige warfen ihm vor, der Nordschleife nicht gewachsen zu sein. Dass das Gegenteil der Fall war, hatte er mit einem Sieg beim 24-Stunden-Rennen 1973 und der schnellsten, bis dahin auf dem Ring gefahrenen Runde (6:58,6 min 1975 im Training zum Großen Preis) längst bewiesen.
Vielmehr ging es Lauda um die Sicherheit. Die Nordschleife stand weniger wegen der Streckenführung in der Kritik, die viele Fahrer als Herausforderung schätzten, und gefährliche Passagen ohne Auslaufzonen gab es auch anderswo. Das Problem waren die Länge von 22,8 km und die Rettungswege, Im Vergleich zu heute gab es wenige Krankenwagen und Feuerlöscher. Und tatsächlich wäre Lauda bei seinem Unfall im Abschnitt Bergwerk vermutlich ums Leben gekommen, hätten ihn nicht andere Fahrer, darunter Arturo Merzario, aus dem Wrack seines Ferrari befreit, lange bevor Ärzte und Feuerwehr vor Ort waren. Und noch etwas erschwerte die Streckenlänge: die Fernsehübertragung. Genau die wurde Mitte der Siebziger immer wichtiger, woran Bernie Ecclestone maßgeblichen Anteil hatte. Die Nordschleife mit Kameras auszustatten, wäre jedenfalls eine Mammutaufgabe gewesen. Tatsächlich gab es bereits 1977 erste Überlegungen, wie man die Königsklasse wieder zurück in die Eifel holen könnte. Zunächst ging es natürlich darum, die Nordschleife umzubauen oder sogar zu verkürzen. Diese Gedanken führten schließlich zum Bau der Grand-Prix-Strecke, die 1984 eröffnet wurde, und prompt kehrte im selben Jahr die Formel 1 zurück in die Eifel – zwar nicht mehr jedes Jahr, aber immer wieder, zuletzt 2020. Text Gregor Schulz Fotos McKlein