Köln, 10. September 1976: Auf der Photokina steht zwischen Kameras, Objektiven und neuester Fototechnik unerwartet ein Porsche 911 Targa, der kaum zu übersehen ist. Über die silberne Karosserie ziehen sich breite Regenbogenstreifen – die Farben von Polaroid. Das bunte Ausstellungsstück wirbt für die Farbtechnologie des Sofortbild-Pioniers. Die 1972 erschienene SX-70 ist zu diesem Zeitpunkt das Spitzenprodukt der Marke aus Cambridge, Massachusetts. Der Porsche ist auch jenseits der auffälligen Lackierung alles andere als gewöhnlich: Basis ist ein 911 Targa, den bb mit der kompletten Technik des 930 Turbo ausgestattet hat. Damit entsteht praktisch ein Turbo-Targa, und das zu einer Zeit, als Porsche selbst den 930 noch ausschließlich als Coupé anbietet. Die offene Karosserie muss für die Mehrleistung entsprechend verstärkt werden. Hinter bb steckt der Frankfurter Veredler Rainer Buchmann, der damals immer wieder mit spektakulären Einzelstücken auf sich aufmerksam macht. Das bekannteste Unikat neben dem Porsche ist sicherlich der futuristische CW311, den Eberhard Schulz entworfen hat. Hinter den Sitzen arbeitet ein von AMG auf 6,9 Liter vergrößerter Mercedes-Benz-M100-V8 mit rund 375 PS. Besonders kurios: Der CW311 darf ganz offiziell den Mercedes-Stern tragen, obwohl Daimler-Benz mit dem Projekt nichts zu tun hat. Der Porsche bleibt auch der Politik nicht verborgen, denn auf der Photokina posiert Bundespräsident Walter Scheel werbewirksam neben dem Regenbogen-Elfer, den heute wohl viele für einen Werbeträger des Christopher Street Day halten würden. Wahren Kultstatus erlangt der Porsche 1980 durch den Film „Car-Napping – Bestellt, geklaut, geliefert“, in dem er neben weiteren spektakulären Fahrzeugen aus der Schmiede von bb auftaucht. Die Hauptrolle des Designers Robert Mehring, der eher unfreiwillig zum Autodieb wird, spielt Bernd Stephan, der auf dem großen Foto zusammen mit Rainer Buchmanns Frau Kathrin zu sehen ist. Text Gregor Schulz Fotos Archiv Rainer Buchmann