Er ist Deutschlands erster Tuner nach dem Krieg, doch dieses Wort kennen seine Kunden nicht. Schnellermachen heißt damals noch Frisieren, und das beherrscht Gerhard Oettinger so gut, dass seine VW Käfer auf der linken Spur selbst Mittelklasse-Modellen auf die Pelle rücken. Am 21. August 1946 gründet der 26-Jährige sein Ingenieurbüro in Friedrichsdorf (Hessen), als Werkstatt dient die Garage der elterlichen Villa. Auf den Käfer kommt er, als er verunfallte Dienstwagen der britischen Besatzungstruppen ersteigert, dann baut er Motorsport-Getriebe und stellt 1951 sein erstes Tuning-Kit vor: Doppelte Einlasskanäle und zwei Vergaser steigern die Leistung des Drosselmotors von 24 auf bis zu 36 PS. Kurz darauf macht eine spezielle Kurbelwelle 1,3 Liter Hubraum und 50 PS möglich. Nach Käfer, Golf und Co. kümmert sich Oettinger später auch um Volvo- und Mercedes-Modelle. Missglückte Immobiliengeschäfte lassen ihn 1993 in die Pleite rutschen, vier Jahre später stirbt er. Das Unternehmen lebt unter der Leitung früherer Mitarbeiter bis heute weiter.