Bei der Gold- und Silberwarenfabrik Erhard&Söhne, Schwäbisch Gmünd, entsteht im Verlauf des Jahres 1946 ein Objekt, das wenig mit Schmuck oder Wertanlagen zu tun hat. Es ist ein Traktor neuartiger Form, die eher an einen Kleinlaster erinnert als an herkömmliche Zugmaschinen. Die Idee kommt von einer kleinen Gruppe um den Ingenieur Albert Friedrich, der kurz vorher noch bei Daimler-Benz tätig war. Die zuständige Production Control Commission, die im Nachkriegsdeutschland über derlei Entwicklungen entscheidet, hat dem Projekt grünes Licht gegeben, weil jegliche militärische Nutzung ausgeschlossen ist, wie Friedrich argumentiert. Auf der Suche nach einer Heimat für diesen Traktor hat Friedrich Kontakt zu Erhard&Söhne gefunden, wo das Fahrzeug Gestalt annimmt. Der Konstrukteur Heinrich Rössler ist wesentlich beteiligt an der Verwirklichung des gültigen Entwurfs, wie er seit März feststeht. Dazu zählen die verblüffend hohe Geschwindigkeit von 50 km/h, gefederte und vorne wie hinten angetriebene Achsen unter einem Lkw-artigen Leiterrahmen, darauf zwei Sitzplätze nebst Fahrerhaus und Ladefläche.
Als Motor dient ein Vierzylinder-Dieselmotor aus dem Pkw-Programm bei Daimler-Benz, das Getriebe ist eine Eigenkonstruktion, deren Gussteile die Maschinenfabrik Boehringer, Göppingen, ebenso liefert wie die Achsgehäuse. Die Versuchsabteilung bei Erhard&Söhne, baut das neuartige Fahrzeug und erprobt es auch. Mit einem fertiggestellten Fahrgestell geht es am 9. Oktober auf die erste Probefahrt – wenn auch noch ohne Kabine. Dies ist eine beachtliche Leistung, immerhin ist jegliches technische Material in jener Zeit nur unter großen Schwierigkeiten aufzutreiben. Die kleine Gruppe in Schwäbisch Gmünd ist zu diesem Zeitpunkt jedenfalls fest entschlossen, das außergewöhnliche Fahrzeug zur Reife zu bringen. Selbst einen Namen hat es bereits: Universal-Motor-Gerät, kurz „Unimog“. Die Geburtsstunde eines bis heute anhaltenden Erfolgs.