Es gibt Autos, da kann man nicht mehr viel weglassen. Sie sind extrem fokussiert konstruiert, nur das Mindeste ist an Bord: Bei einem Caterham Super Seven ist das der Fall. Der radikal puristische Briten-Roadster eignet sich nur für eine spitze Zielgruppe, eine, die kurvige, enge Bergstraßen liebt, sich unterwegs mit minimalem Gepäck begnügt und für die der Buchstabe L stets leicht bedeutet, nie luxuriös. Für manchen ist ein radikaler Entwurf wie der Super Seven der Gipfel der Genüsse. So auch für den Verkäufer, der sich dennoch von seinem Exemplar trennen will. Erst vor drei Jahren hatte er ihn gekauft, von einem spezialisierten Händler in Lauchringen. Am Telefon schwärmt der Anbieter vom leichten, kompakten Alu-Vierzylinder der Rover-K-Serie, dem geringen Gewicht des Super Seven und einem grenzenlosen Fahrvergnügen. Er weiß, wovon er spricht: Mitten im Biosphärenreservat Pfälzer Wald wohnt er, nahe bei der legendären Motorradstrecke Johanniskreuz. Und wo Zweiräder zu Hause sind, fühlt sich auch ein agiler Caterham Super Seven richtig gut an. Schon am Telefon teilt der Besitzer mit, dass aktuell die Frontscheibe fehlt. Sie war beim Einbau (vorher hatte er zwei Brooklands-Scheiben montiert) auf das Lenkrad gekippt, das plane Glas gerissen. Ersatz habe er bereits beim örtlichen Glaser bestellt. Den Nachhaker stört dieses Detail nicht, vielmehr schätzt er die Begeisterung und das Hintergrundwissen des Anbieters – er steckt erkennbar tief im Thema. Dass der Caterham wegen seiner ersten Heimat England (später war er noch in Wales zu Hause) das Lenkrad rechts trägt, ist auf den Fotos zu sehen. In der Anzeige betont der Verkäufer den Top-Zustand seines Super Seven, der aus dem Jahr 2003 stammt, einer interessanten Epoche der Manufaktur, die als direkter Erbe einst die Lizenz der legendären Super-Seven-Baureihe von Lotus erhielt. Die Rahmen waren Anfang der 2000er bereits präzise von Robotern geschweißt, die drehfreudigen Rover-Motoren galten als angemessene, wenn auch nicht ganz unproblematische Wahl. Für die Hinterachse gab’s ab Werk ein modernes De-Dion-System, Starrachsen waren schon Geschichte. Der erste Eindruck, den der Nachhaker an diesem hochsommerlichen Sonntagvormittag gewinnt, ist: Begeisterung. Am Ende einer Sackgasse wartet der Caterham blitzblank in seiner sehr aufgeräumten Garage. Dass der Verkäufer seinen Super Seven bis ins Detail kennt, wird schnell klar. Er fängt mit den Belegen an, historischen Rechnungen aus England und Wales, sogar eine E-Mail aus dem Caterham-Werksarchiv legt er vor: Sein Super Seven sei eine Roadsport-Variante mit dem Supersport-Motor – der 1,8 Liter großen Version mit rund 147 PS. Als Kit lieferte Caterham das Exemplar am 24. Oktober 2003 aus, bereits mit schwarz-silber lackierten Karosserieteilen, Ledersitzen und einem Trackday-Überrollbügel. Der Erstbesitzer schien schnell zu schrauben: Zur technischen Abnahme rollte er schon am 15. Dezember 2003 vor. Nichts fehlt in diesem Ordner, alles fügt sich logisch zusammen. Auch die Teile, die er seit dem Kauf 2023 ausgetauscht hat, sind vorhanden – vom originalen Satz Minilites über die Standard-Zweikolben-Bremse bis zum originalen Luftfilter. Trotz seines geringen Gewichts von (laut Papieren) nur 650 Kilogramm gönnte der Verkäufer seinem Sportwagen Vierkolben-Bremszangen und innenbelüftete Bremsscheiben, einen Satz schwarzer, sportlicher Caterham-Räder sowie einen optimierten K&N-Luftfilter. Auch den Zahnriemen hat er getauscht, zudem einige Gummis – und neue Kühlerschläuche liegen ebenfalls bereit. „Wenn man genau hinschaut, sieht man hier erste Risse“, sagt er und zeigt auf die Schläuche. Um sie zu sehen, muss der Nachhaker aber auch sehr penibel schauen. Diese Haltung spiegelt sich im gesamten Fahrzeug. Immerhin 23 Jahre alt ist der Super Seven, der trotz seines Kleinserien-Hintergrunds und Auslieferung als Kit Car einen erstaunlich geschlossenen, professionellen Eindruck hinterlässt. Nichts wirkt zufällig oder gebastelt, mit der Ausnahme eines einzigen Kabels, das zum Blinker im rechten vorderen Kotflügel führt. Mit ihm hat der Verkäufer kurzerhand ein Masseproblem umschifft. Eine feine Patina, und ja: auch einige Steinschläge aus 26.000 vermutlich sehr lustvollen Kilometern zeichnen den Zweisitzer, bei dem das Wort Wartungsstau genauso grundfalsch wäre wie jede Erwartung an Komfort. Übrigens: Alle Möglichkeiten, den Super Seven zu verschließen, sind dabei. Das normale Verdeck mit Klappbügeln und ansetzbaren Türen, ein leichtes, „Soft Bids Half Hood“ genanntes Sonnentop sowie ein Tonneau-Cover. „Eigentlich ein Alltagsauto“, sagt der Besitzer und meint es ein Stück weit auch so. Das spiegelt gleichsam das Verhältnis wider, das auch die Briten zu dieser Fahrzeugkategorie haben. Dann geht’s los. Die Gänge klacken mit dem ultrakurzen Schalthebel schnell und sauber ins Ziel, das Drehmoment ist überragend, die Beschleunigung aus Spitzkehren heraus die pure Lust. Der Grenzbereich ist irgendwo, nur nicht hier, die warmgefahrenen Semi-Slicks (aus dem Jahr 2022) krallen sich förmlich in den Asphalt. Autofahren macht heute keinen Spaß mehr? So ein Unsinn. Dennoch will der Besitzer sich nun von seinem Schatz trennen. „Ich habe noch andere Autos“, sagt er, „und 80 Kilometer seit der letzten Hauptuntersuchung sind einfach zu wenig.“ Stimmt. Der Preis, den er aufruft, reflektiert die aktuellen Notierungen und liegt unter seinem Einkaufstarif vor drei Jahren, die Upgrades nicht gerechnet. TEXT UND FOTOS Cal Kaminski nachgehakt@oldtimer-markt.de