Aus Oldtimer Praxis 3/2020

Das beste aus 40 Jahren – Unser Fuhrpark anno 1990

Hochgeladenes Bild Mit 13,6 Zweitakt-PS unterwegs zwischen Münster und Bremen? Kein Spaß! Nach einem kolbenklemmerbedingten 360-Grad-Dreher auf der eisglatten A1, bergab in Höhe Tecklenburger Land (kein Witz!), musste ein Schlachtauto mit Originalmotor her

Werfen Sie mit uns anlässlich der Jubiläen von OLDTIMER MARKT (40 Jahre) und OLDTIMER PRAXIS (30 Jahre) einen Blick zurück auf die schönsten Geschichten aus beiden Magazinen! Diesmal wirft OLDTIMER-PRAXIS-Chefredakteur Lars Rosenbrock anlässlich der Jubiläumsausgabe seines Magazins einen launigen Blick auf das Jahr 1990. Jenes Jahr, in dem OLDTIMER PRAXIS erstmals erschien – und sich in seiner Junggesellenbude die Ersatzteile auf dem Küchentisch breit machten.

Hochgeladenes Bild "Redaktionsfuhrpark 1990" – Lars Rosenbrock wirft einen Blick zurück auf Gründungsjahr der OLDTIMER PRAXIS

Eine Garage, anno 1990?

Schön wär’s gewesen – aber eine Garage war in Münster mit Studentenbudget nun wirklich nicht drin. Doch die gute alte Guzzi, die Anfang 1990 kurz vor der "Ich-weiß-nicht-wievielten-Fertigstellung" stand, passte ja zum Glück auch prima ins Wohnheimzimmer (Grundfläche: 20 qm), wenn man die demontierten Einzelteile entsprechend unterm Bett verdichtete. Zentralbeheiztes Schrauben, Teilewäsche auf dem Minimal-Esstisch, aber der Kühlschrank immer in Griffweite – echt ideale Bedingungen, da gab es keinen Zweifel. Außer bei unserem Hausmeister Andreas, der dann irgendwann klopfte. Ihm sei da was zu Ohren gekommen, was er nicht glauben würde, sagte er noch, als er schon mit großen Augen vor meiner kleinen Dauerbaustelle stand… "Nächste Woche ist die raus!", stellte er klar – und kam dann noch mehrfach in einwöchigen Abständen auf einen Kaffee vorbei. War ja auch richtig gemütlich bei mir.

"Lass den Rest vom Auto draußen. Sonst schläfst du nächsten Monat unter der Kanalbrücke…"

Irgendwann hatte Hausmeister Andreas genug

Ich bin viel Motorrad gefahren damals – im Sommer Guzzi V7 (wenn ich sie nicht gerade wieder kaputtgeschraubt hatte), im Winter MZ-Gespann. Auch weil damals mein erster Triumph GT6 in Arbeit war, war kein Geld für ein Alltagsauto da, obwohl ich immer gute Jobs hatte. Aber: "Jung, du brauchst ein Dach überm Kopp", hatten meine Eltern Weihnachten 1989 befunden und mir einen weißen Fiat 126 (mit großer roter Schleife drum) geschenkt. Er hatte keine 10.000 Kilometer auf der Uhr und stammte aus allererster Uropa-Hand. Besagter Uropa war Führerschein-Klasse-4-Kandidat, deshalb tobte im Heck ein 250-Kubik-Zweitakter, für den der Fiat viel zu schwer war. Das war natürlich kein Zustand, doch für 200 Mark gab’s damals einen "Bambino" ohne TÜV, aber mit funktionierendem Antrieb. Keine Garage, keine Hebebühne – kein Problem: 14 Nachmittage hab‘ ich den öffentlichen Parkplatz neben dem Wohnheim letztlich verschönert (sowas ging damals noch…), dann viertaktete mein 126er wieder. Als ich kurz vorher in meiner Studi-Bude die frisch sprühdosenlackierten Luftleitbleche an den Fiat-Motor schraubte, hatte es an der Tür geklopft. Hausmeister Andreas, war ja klar... Er rollte mit den Augen, wollte aber eigentlich nur wissen, was ich mit dem Goggo-Motor planen würde. Er hätte da einen Kumpel, der einen brauchen könnte. "Steht frisch gewaschen auf dem Esstisch. Für 200 Mark kann er ihn haben", war meine Antwort, und seine Augen rollten schneller. Einen Kaffee später war das Schlachtauto bezahlt, und ich war um einen guten Rat schlauer: "Lass den Rest vom Auto draußen. Sonst schläfst du nächsten Monat unter der Kanalbrücke…"

Hochgeladenes Bild 20 qm Grundfläche für 850 Kubik Hubraum – und dazu zweimal 120 Watt an 8 Ohm (meine Ex-Nachbarn erinnern sich) plus immer einem kalten Bier in Reichweite – eine schönere Werkstatt hatte ich tatsächlich nie wieder!

Der Triumph wurde 1990 ebenso wenig fertig wie im Jahr zuvor, aber immerhin wurde er im Spätsommer lackiert – in einem ordinären RAL-Farbton, inklusive ein, zwei Läufern und diversen Schleifspuren im Lack, für die ich selbst verantwortlich zeichnete. Einen Teil der Vorarbeiten hatte ich selbst übernommen, natürlich aus Kostengründen, und Perfektion war nie das Ziel. Es ging um den Spaß an der Sache, und kleinere Rückschläge gingen in der Freude über noch kleinere Fortschritte regelmäßig unter. Der GT6 parkte damals in Bremen in der Garage meiner Eltern, aber die kleineren Baugruppen nahm ich mit nach Münster, und mehr als einmal guckte Andreas absichtlich im Treppenhaus an mir vorbei, wenn ich mal wieder was durchs Treppenhaus schleppte. Bremssättel kann man ja auch am Esstisch überholen, und wie man das macht, hatte ich aus OLDTIMER MARKT und dem Werkstatthandbuch erfahren. Beides hat mich mehr interessiert als die Unibibliothek, was mein Sohn vielleicht besser nicht wissen sollte.

Was, wenn Andreas heute bei mir an der Tür klopfen würde? Ich würde mich mächtig freuen, er war ein ziemlich netter Kerl und ist es wahrscheinlich immer noch. Vermutlich würde ich mit ihm im Wohnzimmer ein Bierchen trinken und über alte Zeiten reden. In der Ecke neben dem Fernseher steht übrigens ein guter Bekannter, an den er sich noch erinnern dürfte: der Antriebsstrang eben jener V7 850 GT. So wie damals, anno 1990, als OLDTIMER PRAXIS debütierte. Tolle Zeiten!

Lars Rosenbrock

Hochgeladenes Bild 1990 war ich 25, träumte von einem E-Type (und von einer Vincent), und hatte einen für 3000 Mark gekauften GT6 in der Mache – Ersatzbefriedigung quasi. Spaß hat’s gemacht!

Das Beste aus 40 Jahren

Wir meinen, das ein Wiedersehen mit einigen unserer Storys Freude machen kann. Dieser Artikel stammt aus OLDTIMER PRAXIS 3/2020 – weitere sind bereits in Planung. Schauen Sie doch ab und zu mal wieder vorbei!