Edsels Hot Rod

Edsel Ford will mehr

Sport und Design waren Anfang der dreißiger Jahre Dinge, die in der Firmenphilosophie von Ford nicht stattfanden, oder nur eine untergeordnete Rolle spielten. Die Marke stand für Massenmobilisierung ohne Extravaganzen. Doch Edsel Ford, der einzige Sohn des Firmengründers Henry Ford, hatte ein Faible für extravagante und sportliche Autos. Die schlichten Gebrauchsfahrzeuge aus der Firma seines Vaters waren ihm zu bieder. Er selbst wollte mit etwas schnellerem, schnittigerem unterwegs sein. Daher beauftragte er 1932 Bob Gregorie von der jüngst gegründeten hauseigenen Designabteilung (bis dahin gab es schlicht keine Designer im Hause Ford) ihm einen Wagen zu bauen. Edsel ließ Gregorie relativ freie Hand, wichtig war nur die Verwendung des seinerzeit nagelneuen Flathead-V8-Motors und, dass sein Vater von alldem nichts mitbekommt.

Extravagante Aluminiumkarosserie

Gregorie setzte sich sofort ans Zeichenbrett und entwarf eine völlig neue Karosserie, als Basis diente ein Model-18-Chassis mit dem neuen Flathead. Die Karosserie bauten Arbeiter, die ein wenig Leerlauf hatten, komplett aus Aluminiumblechen. Ganz anders als bei den Serienautos wollte Gregorie die Kotflügel geschwungen auslaufend und den Rahmen seitlich verkleidet haben. Am auffälligsten, neben dem nach unten spitz zulaufenden Kühlergitter hatte er jedoch das Rückansicht des Wagens gestaltet: Ein spitzes Bootsheck sollte Extravaganz ausstrahlen. Auch wenn dieses Detail nicht ganz Edsels Vorstellung traf, so war der kleine Roadster doch ziemlich genau nach seinem Geschmack geraten. So nutzte er den Wagen dann auch (immer außerhalb der Sichtweite seines Vaters) bis er ihn 1934 verkaufte. Denn zwischenzeitlich hatte er sich von Gregorie den noch spektakuläreren Speedster bauen lassen.

Verkauft, verbastelt, verschwunden und gerettet

Der kleine graue Roadster wechselte anschließend mehrmals die Hände, wurde umgebaut und schließlich aufgegeben. Sein jetziger Besitzer entdeckte den Wagen schon Anfang der achtziger Jahre, musste aber bis 2006 warten, ehe er ihn endlich kaufen konnte. Bis 2013 restaurierte er den Roadster von Grund auf und musste dafür viele Teile neu anfertigen lassen, die über die Jahre verschwunden oder stark verändert worden waren. Jetzt wo der spezielle Ford fertig ist, will er sich wieder davon trennen. Auf der Auktion von RM Sotheby’s im Rahmen des Concours d’Elegance in Amelia Island kommt der Roadster am 12. März unter den Hammer.