Der Aero-dynamische Kadett

Das Sicherheitscabriolet

Vor 40 Jahren, am 11. März 1976, stellte Opel auf dem Genfer Automobilsalon erstmals nach 20 Jahren wieder ein Cabriolet vor: den Kadett Aero. Doch so richtig offen war der kleine mit dem Blitz nicht. Ganz im Stil der Zeit – die Sicherheitsdebatte in den USA hatte offenen Autos den Garaus gemacht – präsentierte sich der Bochumer mit einem massiven Überrollbügel. Vor diesem konnte ein festes Dachteil aufgestellt oder ganz herausgenommen und im Kofferraum platziert werden. Hinter dem Bügel sorgte ein klassisches aber dafür sehr kurzes Verdeck für Frischluft-Feeling.

Erst BMW, dann Opel

Ganz neu war diese Konstruktion nicht, im Gegenteil. Schon 1971 bot BMW die 02-Serie mit einem fast baugleichen Dachaufbau an. In beiden Fällen stammte die Idee und die Ausführung dahinter vom Karosseriespezialist Baur aus Stuttgart. Die Vorteile der Konstruktion lagen auf der Hand: Keine Einbußen bei der Karosseriesteifigkeit und vielfältige Frischluft-Möglichkeiten. So musste nicht wie bei einem klassischen Cabrio das komplette Verdeck aufgeklappt werden, sondern man konnte auch nur einzelne Teile öffnen, um beispielsweise nicht direkt in der Sonne zu sitzen. Echte Roadsterpiloten konnten jedoch über die zwei verhältnismäßig kleinen Öffnungen nur müde lächeln.

Kein Verkaufserfolg

Ein Manko – neben des nicht gerade Cabrio-freundlichen Zeitgeistes – des Kadett Aero war dagegen sein Preis. Knapp 50 Prozent Aufpreis gegenüber der normalen Kadett Limousine wollten nur die wenigsten Kunden bezahlen. Da machte es auch keinen Unterschied, dass der Aero mit zahlreichen Extras aufwarten konnte, wie Zusatzinstrumenten und gediegenen Polstern im schicken Glencheck-Design. Schon 1978 stellten die Opel-Mannen das Frischluft-Experiment nach nur 1242 gebauten Exemplaren wieder ein. Mittlerweile jedoch ist der Kadett Aero – auch aufgrund seiner Seltenheit – zum gesuchten Sammlerstück gereift.

Luft-Lücken im Programm

Mit dem Kadett Aero schloß Opel eine 20 Jahre andauernde Lücke im Modellprogramm. Tatsächlich war der bis 1956 lieferbare Olympia Rekord bis dahin das letzte offiziell angebotene Werkscabriolet der Rüsselsheimer. Wer in der Zwischenzeit einen offenen Opel fahren wollte, musste sich an Karosseriebauer wie Autenrieth, Vogt oder Deutsch wenden – zu teils gesalzenen Aufpreisen! Der erste offene Opel nach dem Kadett Aero war 1986 der von Hammond & Thiede aufgeschnittene Ascona C. Bereits ein Jahr später kam dann das bei Bertone gebaute Kadett E Cabriolet auf den Markt.