Das etwas andere Coupé wird 40

Der Flach-Ziegelstein

Im März 1977 präsentierte Volvo auf dem Genfer Automobilsalon den 262 C, die Coupévariante der Limousine 264. Seit dem polarisiert der Volvo mit der stark geneigten Windschutzscheibe und dem um 60 Millimeter abgesenkten Dach Autofans weltweit. Nach dem Produktionsende des P 1800 (ES) vier Jahre zuvor klaffte im Programm der Marke eine Lücke. Gerade in den USA, dem wichtigsten Exportmarkt der Marke war ein sportlich schickes Topmodell geradezu Pflicht. Anstelle eines klassischen Sportwagens setzten die Schweden jedoch auf ein luxuriöses Coupé.

Aus schwedischer Feder mit italienischer Hilfe

Für dessen Design zeichnete übrigens nicht – wie häufig behauptet – Bertone verantwortlich. Volvo-Chefdesigner Jan Wilsgaard entwarf in einigen Skizzen die zweitürige Variante. Auf den Bau eines Tonmodells verzichteten die Schweden. Stattdessen schickte Wilsgaard einen Volvo 164 zur Designschmiede des Italieners Sergio Coggiola nach Turin, die aus der viertürigen Karosserie einen Zweitürer mit niedrigerem Dach machte. Entsprechend des Zeitgeistes spendierten die Gestalter dem Dach einen Vinylbezug und der breiten C-Säule drei kleine Kronen, dem schwedischen Nationalsymbol – passend zum Codenamen des Prototypens, „Tre Kronor“. In der späteren Serienversion blieb davon nur noch eine einzelne größere Krone übrig.

Extravagantes Auftreten

Der besondere Charakter des 262 offenbarte sich aber nicht nur durch das extravagante Äußere, sondern vor allem im Innenraum mit üppigen Lederfauteuils und edlen Holzvertäfelungen. Die Liebe zum Detail ging sogar so weit, dass selbst die Haltegriffe über den Türen mit Leder bezogen waren. Für den Vortrieb sorgte der als bekannte Euro-V6, der in Zusammenarbeit mit Peugeot und Renault entstand und im 262 C 141 PS aus 2,7 Liter Hubraum schöpfte.

Bertone, oder nicht Bertone?

Doch woher kommt denn nun der so oft verwendete Bezug zu Bertone? Aufgrund der erwarteten geringen Auflage des Coupés passte der 262 C nicht in den Bandablauf des Volvo-Stammwerks in Göteborg. Daher fand die finale Montage in Italien bei der Carrozzeria Bertone statt. Ursprünglich war nämlich lediglich eine Fertigung von 800 Einheiten pro Jahr angedacht, doch trotz des gegenüber der Limousine nahezu doppelten Verkaufspreises geriet der 262 C zum Erfolg: Die Produktionszahlen lagen in allen vollen Verkaufsjahren doppelt so hoch wie erwartet. Von 1977 bis 1981 verließen 6622 Fahrzeuge die Werkshallen.
Der (in Deutschland offiziell nicht angebotene) Volvo 780 wurde 1985 der Nachfolger des 262 C. Dieser entstand ebenfalls in Zusammenarbeit mit Bertone – und dieses Mal stammte sogar das Design aus Italien.