Als die Straßenschilder Werbung trugen

Schilder erklären die Regeln

Wer hat Vorfahrt? Wo geht’s lang? Darf ich hier parken? Jahrzehntelang dienen Straßenschilder der Orientierung und Ordnung im Straßenverkehr. Auch heute, in Zeiten von Navigationsgeräten, haben die klassischen Wegweiser noch nicht ausgedient. Im Gegenteil, an den Straßen stehen gefühlt immer mehr Verbots-, Gebots- und Hinweistafeln. Kaum vorstellbar, dass das einmal ganz anders war. Vor rund hundert Jahren waren die Verkehrsteilnehmer weniger reglementiert und kaum ein Schild erklärte wie sie sich zu verhalten haben.

Werbung und Sicherheit

Doch durch die rasant ansteigende Anzahl an Automobilen kam es auch immer häufiger zu Unfällen – und das brachte André Citroën auf eine Idee. Am 20. Februar 1921 startete er sein aufwendiges Projekt, die unzureichende Straßenbeschilderung in Frankreich zu verbessern und spendete für das ganze Land Verkehrsschilder, die für mehr Ordnungimn Straßenverkehr sorgen sollten. Dass die „Plaques Citroën“ zugleich als Werbetafeln für die Marke mit dem Doppelwinkel dienten, belegt einmal mehr das Marketinggenie des Firmengründers. Denn die zunächst achteckig, später oval geformten Blechschilder verfügten über den Zusatz „Don de Citroën“ (auf deutsch: „gestiftet von Citroën“).

Auch nach Deutschland exportiert

Auch in Deutschland wurden in den Vorkriegsjahren die heute noch als Sammlerstücke begehrten „Plaques Citroën“ aufgestellt: Eine Aufnahme der Hohenzollernbrücke aus dem Jahr 1928 zeigt, dass die viel befahrene Brücke im Herzen Kölns ebenfalls komplett mit achteckigen Citroën Schildern versehen war. Dort dienten sie allerdings weniger als Wegweiser, denn als Werbung.

Wettbewerb an Frankreichs Straßen

Doch er blieb nicht lange mit seiner Idee alleine: In den zwanziger und dreißiger Jahren folgte in Frankreich ein wahres Wettrennen unter den Automobilherstellern und Zuliefererbetrieben. Jedes Unternehmen wollte möglichst viele Verkehrsschilder produzieren und stiften, um eine möglichst hohe Präsenz im Straßenverkehr zu gewährleisten – ein Wettstreit, den Citroën eindeutig für sich entscheiden konnte. Bis 1937 waren über 165.000 „Plaques Citroën“ an Frankreichs Straßen sowie in den damaligen algerischen Departements zu sehen. Reifenhersteller Michelin ging später dazu über, steinerne Wegweiser, die sogenannten "Bornes Michelin", aufzustellen, die auch heute noch in ganz Frankreich an nahezu jeder Straßenkreuzung zu sehen sind.