Jugend forsch: das ZF Junior Team

Die Aktion

Der renommierte Automobilzulieferer ZF und OLDTIMER MARKT wollen dem renn- und schrauberwütigen Nachwuchs eine Chance geben und haben dafür das ZF Junior Team ins Leben gerufen. Die Aufgabe: Mit einem jungen Team (maximal 30 Jahre alt) aus Mechanikern, Fahrer und Pressesprecher einen Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 von Grund auf zu einem Rennwagen aufbauen und anschließend in der Saison 2015 in der Youngtimer Trophy starten. Das Budget: ZF stellt 15.000 Euro und Know-How parat, das Team von OLDTIMER MARKT unterstützt ebenfalls mit Kontakten und Wissen. Gesucht waren also Nachwuchstalente im Schrauben und Fahren die sich eine Saison im historischen Motorsport mit all ihren Aufgaben erarbeiten müssen.

Das Team

Gefunden haben wir nach einer Ausschreibung im Frühjahr 2014 ein begeistertes Team aus dem Main-Kinzig-Kreis: Phillipp Schäfer, (25), Mike Hertel (30) und Fabian Hecker (26) sind für die technischen Neuaufbau des Renn-Benz verantwortlich, Dierk Stock (24) wird den Mercedes auf der Rennstrecke pilotieren. Unterstützend stehen außerdem Marco Herdt und Phillip Bender zur Verfügung, die anfangs fester Bestandteil des Teams waren, aber aufgrund von Zeitmangel nur eingeschränkt einsatzbereit sind. Alle Mann haben privat und/oder beruflich bereits Erfahrungen im Aufbau und Reparieren von klassischen und modernen Fahrzeugen. Beste Voraussetzungen also, um im gemeinsamen Schrauberdomizil einen echten Rennwagen entstehen zu lassen.

Die Karosse

Doch aller Anfang ist schwer,und ein geeigneter Mercedes 190 E 2.3-16 war gar nicht so einfach zu finden. Schon gar nicht einer, der im Budgetplan liegt. Letztendlich wurden es dann insgesamt sogar drei Stück, von denen die zwei 16V nur noch zum Schlachten taugten, aber gute Teile abwarfen und letztlich günstig waren. Die beste Karosserie, ein normaler 1,8er, bedurfte dagegen nur geringer Schweißarbeiten (die das Team umgehend erledigte) und fand sich bald darauf zerlegt bei den Profis von SPS Motorsport wieder. Die sorgten dafür, dass in der noch leeren Hülle eine Sicherheitszelle aktuellster Norm einzog. Einige Meter Rohr und unzählige Verstärkungen später ist die Karosse jetzt bestens gerüstet für die kommenden Einsätze.

Aus der ehemals roten Karosserie ist mittlerweile dank der Arbeiten der Firma Riegelhof in Frankfurt ein strahlend weißes Rennauto geworden. Der Fachbetrieb für historische Fahrzeuge (deutschlandweit der erste Betrieb mit dieser Zertifizierung) kümmerte sich um Lackvorbereitung und Farbauftrag an Karosserie und Anbauteilen in strahlendem Verkehrsweiß. Das nötige Material und jede Menge Fachwissen spendierte der Lackhersteller Glasurit. Später kommen dann noch die blauen ZF-Logos und die übrigen Sponsorenaufkleber auf den Mercedes.

Bevor die Innenaustattung – die laut Reglement komplett vorhanden sein muss – wieder einziehen konnte, mussten die Jungs des Junior Teams noch den Kabelbaum verlegen und anschließen. Was letztlich, dank gewissenhafter Vorarbeit, auch problemlos gelang. Unterdessen kamen auch wieder alle anderen Anbauteile wie Front- und Heckschürze sowie die Seitenverkleidungen wieder an ihren Bestimmungsort. Das Kapitel Karosserie war damit abgeschlossen.

Die Technik

Auch auf der Technikseite war die Truppe bisher nicht untätig: Der vorhandene Motor und die Achsteile wurden zerlegt und begutachtet. Fazit: Keine gravierenden Schäden, aber eine Komplettüberholung ist allenthalben fällig. Bei den Achsen müssen alle Buchsen und Verschleißteile neu gemacht werden, außerdem sucht das Team momentan die entsprechenden Sport-Fahrwerksteile zusammen. Kniffliger, weil Profiarbeit: Das Bohren und Honen des Motorblocks aufs nächste Zylinder-Übermaß. Hier nehmen die Spezialisten von Väth, dem Motorenmann des Teams Mike Hertel diese aufwändige Arbeit ab.

Die lange Lieferzeit der neuen Kolben führte dann auch zu einer kleinen Verzögerung im bisherigen Zeitplan, so dass der ursprünglich anvisierte erste Einsatz Anfang April in Hockenheim einfach nicht zu machen war. Kein Problem, das Junior Team will sowieso lieber auf Nummer sicher gehen und nicht überstürzt mit einem halbfertigen Auto an den Start gehen. Aus diesem Grund vertrauten die Schrauber auch nicht auf Altteile beim Motor, sondern erneuerten Ventile, Lager, Steuerkette und Spanner. Alle Dichtflächen wurden geplant und die Kurbelwelle mitsamt Schwungscheibe feingewuchtet. Anschließend zog das Triebwerk in den Motorraum der frisch lackierten Karosserie.

Technisch war der 190er damit soweit fast fertig. Um das letzte fehlende Teil, die Abgasanlage, kümmerten sich dann die Spezialisten von Bastuck. Die passten eine reglementskonforme Edelstahlanlage an den Mercedes an und übernahmen auch auch die abschließende Motorabstimmung auf dem Rollenprüfstand.

Die Renn-Vorbereitung

Bevor das Junior Team die ersten Rennkilometer mit dem Mercedes 190 bewältigte, konnten die Teammitglieder schon die ersten Erfahrungen sammeln. Grund dafür waren Tipps aus erster Hand. Bereits im vergangenen Mai bei der Historic Trophy am Nürburgring konnten sie das originale DTM-Auto von Roland Asch genauer unter die Lupe nehmen und am modernen DTM-Renner Boxenstopps üben.

Ende März bot sich dann die Gelegenheit mit der ehemaligen DTM-Pilotin Ellen Lohr ein paar Runden auf dem Nürburgring zu drehen – im Mercedes 190 Evo 2. Die hatte für die Youngster dann auch den einen oder anderen hilfreichen Tipp parat. Möglich machte das Aufeinandertreffen übrigens Matthias Knebel von Mercedes-Benz Classic.

Der erste Renneinsatz

Eng wurde es vor dem 24h-Classic-Rennen am 15. Mai, im Rahmen des legendären 24-Stunden-Rennens am Nürburgring. Das Timing war äußerst knapp bemessen, doch letztlich wurde der Mercedes am späten Dienstagabend – wenige Stunden vor Abfahrt in die Eifel – dann doch fertig. Dort angekommen bot das Team von SPS Motorsport sofort Unterstützung bei allen Arbeiten in der Box. Danke an dieser Stelle für die selbstlose Hilfe!

Würde das Auto halten? Vor dem Training waren sich die Teammitglieder nicht mehr ganz so sicher. Zumal ein Wackelkontakt am Benzinpumpenrelais erst vom ebenfalls anwesenden Rainer Bastuck korrekt diagnostiziert wurde. Dieser minimale Zwischenfall sollte dann auch der einzige Defekt am ganzen Wochenende bleiben. Nach und nach machten sich anschließend die beiden Fahrer Dierk Stock und Fabian Hecker mit dem Wagen auf der Strecke vertraut. Schließlich hatten beide noch keinen Kilometer mit dem 190er zurückgelegt, erst recht nicht im Renntempo.

Auch das Drei-Stunden-Renen am Freitag lief dann völlig ohne Probleme. Den ersten Stint übernahm Fabian Hecker, der das Steuer zur Halbzeit an Dierk Stock übergab. Die Kontrolle der Bremsen und Reifen während des Boxenstops ergab ebenfalls keinerlei nennenswerte Auffälligkeiten. Nach drei Stunden landete das ZF Junior Team bei seiner Rennpremiere auf einem achtenswerten 82. Platz – von immerhin knapp 140 Startern. Die schnellste Rundenzeit für die Kombination aus Nordschleife und Grand-Prix-Strecke betrug rund 11.40 Minuten – nicht schlecht für die ersten Rennkilometer! Im Ziel flossen dann auch dementsprechend buchstäblich Tränen der Rührung. Die ganze Anspannung, der ganze Stress der letzten Wochen und die viele aufgewendete Zeit hat sich letztlich ausgezahlt.

In der Bildergalerie oben haben wir einige Impressionen der bisherigen Arbeiten zusammengetragen. Auf der Facebook-Seite des ZF Junior Teams können Sie einen weiteren Blick hinter die Kulissen der begeisterten jungen Truppe werfen.

Mitten drin statt nur dabei

Hier haben wir noch ein Onboard-Video vom Qualifying im belgischen Zolder für euch.
 


 

Unter folgendem Link werden in Zukunft weitere Video des ZF Junior Teams zu finden sein.

https://www.youtube.com/channel/UClgDpi3XFVspypRy3MHVdMA